Hier wird Inklusion gelebt – Das Hofgut Himmelreich
Das Hofgut Himmelreich arbeitet auf der Basis eines spezifischen Konzepts, der “Himmelreich-Idee” mit den Komponenten Inklusion als Leitidee, inkludierende Personalführung als Managementidee und Wertschätzende Kommunikation als Ansatz der Personalentwicklung.
Zielgruppe:
Das Hofgut Himmelreich ist ein integrativer Betrieb nach § 132 SGB IX. Es spricht Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen an: Als Mitarbeiter und Gäste im Gasthof, als Teilnehmer an Tagungen der Integrativen Akademie, als Beratungsnehmer der Integrativen Entwicklungsberatung, als interessierte Menschen aus den Fachwelten der Gastronomie und der Behindertenarbeit, der Politik, der Medien, aus den Schulen und Verwaltungen – kurz allen, die sich für Inklusion interessieren.
Das Hofgut Himmelreich wird von den genannten Zielgruppen hervorragend angenommen: Menschen mit und ohne Behinderungen arbeiten hochmotiviert im Unternehmen, sie sind willkommene Gäste im Gasthof und interessierte Teilnehmer an Veranstaltungen der Akademie, sie sind – als Presse-, Funk- und Fernsehleute – kompetente Mittler für den Inklusionsgedanken.
Lebensphasen:
Das Hofgut Himmelreich wendet sich mit seinem Angebot an Menschen aller Lebensphasen:
- Die Mitarbeiter mit Behinderung und die Teilnehmer an den Berufsvorbereitungskursen der Integrativen Akademie sind junge Menschen
- Die Fachmitarbeiter gehören überwiegend der mittleren Generation an
- Die Gäste des Gasthofes und die Teilnehmer an den Tagungsangeboten gehören allen Altersgruppen an.
Lebensbereiche:
Das Hofgut Himmelreich konzentriert sich auf die Inklusion von Menschen mit einer geistigen Behinderung im Arbeitsleben. Das Hofgut ist keine Einrichtung der Behindertenhilfe, sondern ein inklusiver Wirtschaftsbetrieb.
Alle Mitarbeitenden arbeiten zum Wohl der Gäste, setzen dazu ihre Fähigkeiten ein und erhalten Gelegenheit, ihre Kompetenzen in einem gemeinsamen wertschätzenden Lernprozess zu erweitern.
Teilhabe:
Grundidee des Hofguts Himmelreich ist das inklusive, das heißt gleichberechtige und selbstbestimmte Zusammenarbeiten und Zusammenlernen behinderter und nichtbehinderter Menschen. Sie kommt im “Himmelreich-Konzept” und seinem Motto “Unbehindert arbeiten und lernen” zum Ausdruck. Ausgangspunkt des Konzepts ist die Überzeugung, dass Menschen mit Behinderung – wenn sie nicht daran gehindert werden – in der Lage und motiviert sind, in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarkts tätig zu werden. Sie müssen ggfs. auf diese Aufgabe vorbereitet und im Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt unterstützt werden. Dies ist im Hofgut Himmelreich gelungen: Der Betrieb ist im weitesten Sinne barrierefrei gestaltet, er wird auf der Basis der Managementidee einer konsequent inkludierenden Personalführung organisiert und die Personalentwicklung erfolgt auf der Basis des Konzepts der Wertschätzenden Kommunikation. Das Hofgut Himmelreich will beispielhaft an der Entwicklung einer inklusiven Kultur mitwirken. Mit der Umsetzung des Konzepts ist das Hofgut Himmelreich zu einem betriebswirtschaftlich und sozialpolitisch erfolgreichen Betrieb geworden, in dem Wertschöpfung und Wertschätzung gleichermaßen gesichert sind.
Projektort:
Das Hofgut Himmelreich befindet sich – an der Schwelle zum Schwarzwald und am Ausgang des Höllentals – am Rande des Luftkurorts Kirchzarten, wenige Kilometer vor Freiburg i.Br.. Das Hofgut Himmelreich ist ein uraltes Schwarzwälder Hofgut, es ist urkundlich erstmals um 1300 erwähnt, seit 1600 ist es ein Gasthof. Zum Gasthof gehört eine Hofkapelle, die auch eine Station auf dem Jakobusweg herab aus dem Schwarzwald in das Rheintal und dann weiter nach Santiago de Compostela ist. Die Gasträume und Gästezimmer des Gasthofs zum Himmelreich atmen Schwarzwälder Gemütlichkeit, die regionale Küche und der gepflegte Keller sind weithin bekannt, der freundliche Service, gerade und auch durch die Mitarbeiter/innen mit Behinderung, wird sehr geschätzt.
Das Hofgut liegt an der Höllentalbahn der DB, die von Freiburg hinauf in den Schwarzwald führt; der auf dem Gelände des Hofguts liegende Bahnhof Himmelreich ist Ausgangspunkt für Wanderungen in den Schwarzwald und Pendler aus dem Schwarzwald nach Freiburg; die zum Hofgut gehörende DB-Bahnagentur und der Kiosk werden von Wanderern und Pendlern gerne genutzt.
Zugang:
Die Mitarbeiter mit Behinderung im Gasthof und die Teilnehmer an den, von der Bundesagentur für Arbeit geförderten, Berufsvorbereitungskursen kommen in der Regel als Absolventen der Schulen für geistig Behinderte “ins Himmelreich”. Sie haben i.d.R. keine fachliche Vorbildung und lassen häufig auch für die Tätigkeit in einem Gastronomiebetrieb notwendige softskills vermissen. Um ihre Eignung und ihre Entwicklungsmöglichkeiten zu testen, wird mit ihnen ein Vorpraktikum und eine Eignungsfeststellung durchgeführt, während der auch festgestellt wird, ob sie in der Lage sind, selbständig mit öffentlichen V erkehrsmitteln das Hofgut Himmelreich zu erreichen.
Innovation:
Das Hofgut Himmelreich besteht zwar mittlerweile seit 2004, also seit beinahe 7 Jahren. Es genießt aber als konsequent inklusiver und dabei erfolgreicher Betrieb immer noch hohe Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und gilt als Vorzeigebetrieb für Inklusion im Arbeitsleben.
Partizipation:
Der Inbetriebnahme des inklusiven Betriebs Hofgut Himmelreich ging eine jahrelange Suche nach einem für ein unbehindertes Zusammenarbeiten von Menschen mit und ohne Behinderung geeigneten Objekt durch Jürgen Dangl, damals Geschäftsführer des Diakonischen Werks Breisgau-Hochschwarzwald, und seines Teams voraus. 2004 konnte schließlich das Hofgut Himmelreich gepachtet und 2005 auch käuflich erworben werden, am 1.9.2004 fand mit 6 Mitarbeitern mit Behinderung die Eröffnung statt, 2006 wurde die Integrative Akademie Himmelreich ins Leben gerufen und 2007 die DB-Agentur mit Kiosk im Bahnhof Himmelreich eröffnet.
Das von Anfang an gültige und stets durchgehaltene Konzept des Hofguts, die “Himmelreich-Idee”, wurde gemeinsam von den beruflichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern entwickelt, eine theoretische Fundierung und Reflexion erfährt sie durch und in der Integrativen Akademie.
Öffentlichkeit und Transfer:
Das Hofgut Himmelreich erfuhr und erfährt immer noch hohe Aufmerksamkeit in der Öffentlicheit. In- und ausländische Gäste tragen seinen guten Ruf weiter, die Medien berichten häufig über das Hofgut, eine website (www.hofgut-himmelreich.de) vermittelt aktuelle Informationen. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Gastronomiebetrieben, die sich über das Konzept des Hofguts Himmelreich und seine Umsetzung in der Praxis kundig gemacht und dazu nicht selten die Beratung durch die Integrative Entwicklungsberatung Himmelreich in Anspruch genommen haben und noch nehmen. Das Hofgut Himmelreich geht davon aus, dass sein Konzept eines konsequent inklusiven Betriebes auch auf andere Betriebe und Branchen übertragbar ist, sofern ein diese Übertragbarkeit begünstigender Bedingungsrahmen gegeben ist.
Nachhaltigkeit:
Das Projekt Hofgut Himmelreich ist auf Dauer angelegt. Die für den Betrieb des Gasthofs “Zum Himmelreich” notwendigen Ressourcen erscheinen gesichert, für den langfristigen Betrieb der Integrativen Akademie Himmelreich, die bisher vor allem aus befristeten Projektmitteln finanziert wurde, wird derzeit ein Finanzierungskonzept erarbeitet.
Was ist die Landkarte der inklusiven Beispiele?
Das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung ist seit Ende März 2009 in Kraft. Es stellt eindeutig klar: Selbstbestimmte Teilhabe ist ein Menschenrecht, kein Akt der Gnade oder Fürsorge. Doch wie kann Inklusion in Deutschland verwirklicht werden?
In Deutschland gibt es bereits viele engagierte Menschen, die sich tatkräftig für ein gemeinsames Leben von Menschen mit und ohne Behinderung engagieren. Es gibt bereits viele gute Beispiele, die beweisen, dass Inklusion in der Praxis gelingen kann.
Allzu häufig erreichen solche guten Beispiele aber lediglich eine lokale Resonanz. Der Vorbildcharakter wird viel zu selten über regionale Grenzen hinaus bekannt und noch seltener wird ein gutes Beispiel tatsächlich zum Vorbild genommen und nachgeahmt. Dies zu ändern ist Anspruch der Landkarte der inklusiven Beispiele: Hier werden gute Projekte gesammelt und ab dem 25.3.2011 der Öffentlichkeit präsentiert.
Inklusive Beispiele gibt es überall: Gemeinsame Kindertagesstätten, Schulen und Universitäten, Betriebe in denen Menschen mit und ohne Behinderungen ausgebildet werden und arbeiten, barrierefreies Wohnen mitten in der Gesellschaft, aber auch etwa barrierefreie Arztpraxen, Kommunions- oder Konfirmandenunterricht mit Gebärdendolmetschung oder Vereine und Theatergruppen, die Menschen mit und ohne Behinderungen offen stehen.
Die Ziele der Landkarte sind somit vielfältig. Sie soll anhand Ihrer Beispiele:
- Tipps zur praktischen Umsetzung von Inklusion geben,
- zur Nachahmung anregen,
- Interesse am Thema wecken und Bewusstsein bilden,
- Mauern in den Köpfen durchbrechen und Barrieren überwinden,
- die Arbeit von vielen Verbänden, Institutionen, Organisationen und einzelnen Personen würdigen und unterstützen, die Inklusion bereits leben.
–» Landkarte der inklusiven Beispiele

